XPro2 vs. X100F

Die XPro2 ist eine spiegellose Systemkamera und die X100F eine sogenannte Edelkompakte. Beide Kameras haben den X-Trans CMOS III Sensor und liefern demzufolge prinzipiell die gleiche Bildqualität. Abhängig ist dies natürlich auch vom verwendeten Glas. Die X100F hat eine fest verbaute Brennweite mit 23mm und eine Blende von 2. Die XPro2 hat den Fujifilm-typischen XF Anschluss und erlaubt dadurch ein breites Angebot an Linsen zu verwenden.

Der Vergleich hinkt. Gewaltig. Das weiß ich. Aber dennoch ist er für mich wichtig, da ich mich schließlich zwischen diesen beiden Kameras entscheiden musste.

Vorweg kann ich nehmen, dass ich beide Kameras für ausgezeichnet halte. Ich habe lange und intensiv mit beiden gearbeitet und kann mir aus diesem Gründen eine Meinung erlauben. Allerdings bleibt es eben auch nur eine Meinung und jeder muss sich da selbst ein Bild machen.

 

Warum stehen diese beiden Kameras in Konkurrenz:

Die XPro2 war gemeinsam mit meinen verschiedenen Objektiven lange mein Hauptwerkzeug. Die X100F sollte als Reisekamera und Unterstützung für Hochzeiten etc. mit dabei sein. Da mir 28mm Brennweite (im Nachvollgenden immer als Equivalent zum Vollformat) als Reportagebrennweite  besser gefällt als 35mm, habe ich die X100F sehr oft mit dem WCL benutzt.Der WCL ist ein Weitwinkelkonverter, der aus dem fest eingebauten 35mm f2 Objektiv der X100F, ein 28mm f2 Objektiv macht. Es gibt noch den TCL. Dies ist ein Telekonverter, der aus den 35mm f2, ungerfähr eine 50mm f2 macht.

Fujifilm bietet mit dem XF 18mm f2 allerdings auch eine Alternative als Wechelobjektiv für die Systemkamera an.
Da ich mir aber unbedingt die X-T3 als neue Kamera kaufen möchte, muss eine der beiden Kameras Platz machen. Letztendlich stellt sich da nun vollgende Frage:

X100F mit dem WCL oder XPro2 mit dem XF 18mm f2?

 

Die X100F ist eigentlich perfekt…

Die X100f ist für sehr viele Situationen gemacht. Ohne ein Objektiv mitnehmen  oder wecheln zu müssen, kann man unglaublich viel mit dieser Kamera machen. Ich habe sie nicht nur als Reisebegleitung verwendet, sondern auch für die Personenfotografie. Ebenso hatte ich sie bei Hochzeiten dabei oder zur Geburt meines Sohnes im Krankenhaus. Die Kamera ist klein und robust, hat eine sehr gute Bildqualität und sieht dabei verdammt gut aus. Sie ist unauffällig, was sie für die Reportage oder für die Streetfotografie auszeichnet. Sie ist leise und hat darüber hinaus noch weitere Vorteile wie: Zentralverschluss (Blitzsync bis 1/2000sek), Makrofähig, digitaler Telekonverter und die Kombination aus elektronischen und optischen Sucher.

 

Bilder die ich mit der X100F gemacht habe:

 

XPro2, meine schwarze Schönheit

Die XPro2 ist eine puristische Kamera. Nicht perfekt in Ausstattung und Technik, aber perfekt um den Kompromiss zu suchen und dabei das Wesentliche zu finden. Der Autofokus ist nicht immer die absolute Freude, der Speicher ist ebenfalls zu schnell voll. Das digitale Sucherbild ist recht klein und der optische Sucher auch nicht immer die beste Alternaita dazu. Die XPro2 konzentriert sich auf 2 wesentliche Punkte, die Qualität und auf das Gefühl beim fotografieren.

Stattet man die XPro2 mit einer Linse aus, vorzugeweise mit einer kleinen Festbrennweite, konzentriert sich alles auf den fotografischen Moment. Denn die XPro 2 liefert, mit Abstrichen für gewisse Zwecke, zuverlässig und qualitativ hochwertig ab. Denn hier orientiert sie sich qualitativ am Kleinbild, ist aber dennoch klein, leicht und unauffällig.

 

Ring frei

Systemkamera gegen Kompaktkamera. Bei so einem Vergleich würde es nahe liegen, dass die Kompaktkamera in Sache Größe und Gewicht klarer Gewinner ist. Die Systemkamera dagegen wird wohl eher umfangreicher, qualitativer im Bildergebnis sein. So einfach ist es allerdings bei diesen Modellen gar nicht.

Da für mich die 28mm Brennweite entscheidend ist, werde ich mich auch erstmal darauf konzentrieren. Die XPro2 bekommt das XF 18mm f2 und die X100F erhält den WCL. Was auffällt ist, dass die Unterschiede in Gewicht und Größe nicht so stark ausfallen wie man vielleicht denken könnte. Natürlich ist die XPro 2 größer und schwerer, allerdings sind es aber auch nur 60g an Gewicht und 1,50cm mehr an Länge. Die Höhe unterscheidet sich ungefähr um einen halben Zentimeter und die Tiefe ist sogar gleich. Wenn man die mitgelieferte Gegenlichteblende am XF 18mm f2 weglässt, dann ist die XPro2 sogar flacher. Das überraschte mich zwar anfänglich, macht aber dann wiederum Sinn, da es nicht ja um sehr ähnliche Kameras handelt. Dennoch Punkt für die X100F

Die Bildqualität lässt sich für mich noch nicht so leicht miteinander vergleichen. Die X100F hat eine hervorragende Qualität, aber es gibt auch Einschränkungen. So ist der Nahbereich bei offenere Blende nicht überzeugen, ebenso war Blende 2 für mich eher für den Notfall geeignet. Hier habe ich vielmehr mit Blende 2.8 gearbeitet.
Das XF 18mm kommt 18cm nah ans Objekt ran und das ist generell ein guter Wert, für Makroaufnahmen reicht es allerdings da trotzdem noch nicht. Hier ist die Qualität bei Offenblende gefühlt stärker als bei der Konkurrenz. Dies scheint auch außerhalb des Nahbereichs so zu sein. Beide offenbaren Schwächen im Randbereich und beide liefern nicht das butterweiche Bokeh wie manch andere Objektive es tun. Aber es sind beide auch sogenannte Pancake-Objektive und hierbei muss man generell bereit sein gewisse Kompromisse einzugehen. Dennoch sehe ich hier die XPro2 mit dem XF 18mm im Vorteil.

Wenn wir beim direkten Vergleich aus X100F mit WCL und XPro2 mit dem XF18mm bleiben, dann gibt es aber letztlich nicht so viele Unterschiede. Allerdings kann man die Linse der X100F auch entfernen und hat immer noch eine Brennweite von 35mm. Zusätzliche bietet die X100F digitale Telekonverter an, die Brennweiten von 50mm (Reduzierung auf 16MP) und 75mm Reduzierung auf 12 MP) erstellt. Ohne viel Gepäck bietet die X100F hier wesentlich mehr als die XPro2 an, die hier nicht ohne weitere Objektive auskommen würde. Ein weiterer Punkt für die X100F.

Die X100F hat noch einen weiteren Konverter, den TCL, der eine optische Brennweite von ca. 50mm entstehen lässt. Auch diesen habe ich besessen und beide habe ich sehr oft dabei gehabt wenn ich Shootings oder Hochzeiten fotografiert habe, bzw. auch wenn ich einfach unterwegs war. Ich habe mir extra eine Gürteltasche gekauft um alles transportieren zu können. Eine Gürteltasche! Eine komplette Ausrüstung in einer Gürteltasche. Die X100F ist nicht nur klein, sondern sie bleibt es auch, auch wenn ich zusätzliches Zubehör verwende. Selbst einen Blitz müsste ich nicht zwangsläufig mitnehmen, da diese einen eingebauten im Gehäuse hat, nicht stark, aber für den Notfall zweckdienlich.
Die Xpro2 bräuchte, um vergleichbaren Nutzen zu haben, das XF 23mm f2 und das XF35mm f2. Auch hier würden sich nicht so viele Vorteile in Größe und Gewicht offenbaren, aber definitiv im Preis, beide zusammen würden ca. 950€ kosten. Die Konverter der X100F hingegen „nur“ 550€. Punkt für X100F.

Die XPro2 ist erstmal nur eine Kamera, ich kann zwar sehr viele Objektive verwenden, aber das kann so ziemlich jede Kamera. Die X100F ist  dagegen ein System. Hinter ihr steht die Antwort auf die Frage: was brauche ich denn eigentlich alles? Die X100F steht für sich alleine und bringt alles mit was man benötigt um gute Fotos für viele Zwecke zu schießen.

Bis jetzt sieht es aus, als würde die X100F nach Punkten gewinnen.

Warum dann die XPro2?

Die X100F erlaubt es dir leicht und unglaublich flexibel zu sein. Das hatte ich mir damals von dieser Kombination versprochen. Aber wie bereits festgestellt, ist der Unterschied zwischen den beiden Kameras im direkten Vergleich nicht so immens. Ich mag die 35mm Brennweite an der X100F, aber vielmehr mag ich 28mm als Reportage-Brennweite. Und da es mir um diese Brennweite geht, spielt die X100F viele ihrer Vorteile plötzlich nicht mehr aus. Weder ist sie dann noch viel leichter, noch erheblich kleiner. Letztendlich bin ich mit der XPro2 flexibler, denn ich habe 2 Speicherkarten-Slots. Ich kann überdies hinaus auch ganz andere Brennweiten verwenden, wie zum Beispiel das XF 90mm f2. Da findet die X100F klar ihre Grenze.

 

Fazit:

Beide Kameras sind tolle Kameras (betrifft die komplette X100-Reihe, sowie die Systemkamera-Reihe von Fujifilm). Da ich mich aber entscheiden musste, habe ich mich für die Variabilität entschieden. Bräuchte ich nur eine Kamera für alles, dann wäre es die X100F. Aber ich möchte flexibel sein und ein größeres Spektrum an Aufgaben abdecken, daher die XPro2.

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