Wie und warum ich Photoshop benutze und weshalb ich am liebsten darauf verzichten würde

Photoshop ist im Grunde, wenn man so will, der kleinste gemeinsame Nenner in der digitalen Technik für die meisten Fotografen. Und idealer Weise spielt es hierbei überhaupt keine Rolle welches Kamerasystem man benutzt. Kein: „Canon ist kacke, nimm doch lieber Nikon“
oder: „Alles Quatsch, jeder weiß dass Sony der absoluter Überking ist“ oder auch: „Leica ist wenigstens noch ne Kamera ihr Luschen“. Denn jeder benutzt Photoshop, ich natürlich auch.
Als ich allerdings das erste mal vor Photoshop saß, wollte ich eigentlich nur weinen. Mit freudiger Erregung dachte ich damals: „Geil, jetzt geht’s richtig los bei mir!“. Aber leider war jenes Programm nicht so intuitiv wie es Lightroom war, bzw. immer noch ist. Die digitale Fotografie macht vieles leichter, denn fast jeder kann heute Fotos machen und es ist manchmal, wenn auch eher selten, echt schwer die Arbeit eines Profis und Laien auseinander zu halten. Denn auch ein Laie hat mal einen Glückstreffer, quasi einen „lucky punch“. Photshop stellt aber spätestens dann den Laien ein Bein, wenn es um gute Retusche geht. In der Postproduktion trennt sich dann sehr sehr schnell die Spreu vom Weizen. Auch ich musste mich durch viele Stunden durchkämpfen an Lektüren und Videos zu diesem Thema. Und nachdem man verdammt viel über Photoshop gelernt hat, weiß man erst was man davon auch wirklich benötigt. Ich für meine Begriffe momentan recht wenig…
Mein Workflow in der Postproduktion sah bis vor kurzen immer wie folgt aus: importieren der Bilder in Lightroom, Auswahl erstellen von Favoriten, Auswahl eingrenzen, Look erstellen, rüber damit in Photoshop. In PS wurde, wenn nötig, ein wenig verflüssigt, anschließend retuschiert mit dem Bereichsreperaturpinsel, Dodge and Burn, Farben wieder angepasst, geschärft mit Hochpass und anschließend wurde das Bild ausgegeben.
Mittlerweile hat sich das aber verändert. Ich fange zwar immer noch mit Lightroom an und erstelle einen groben Look und anschließend gehe ich auch wiederum in Photoshop, aber hier mache ich nur noch sehr wenig. Ich konzentriere mich darauf, die Sachen, die nur ein Momentum sind, auszutauschen. Will sagen: Pickel fliegen zum Beispiel raus, aber auch Mitesser und Hautschuppen. Das macht schließlich keinen Person aus. Ich mache auch noch Dodge and Burn, allerdings versuche ich dadurch eher die Konturen zu verstärken, die eh schon vorhanden sind. Ich mache zur Zeit keine High-End retuschen, bei denen ich stundenlang vorm Rechner sitze und mit Dodge and Burn alle Luminanzunterschiede der Haut angleiche. Das mache ich zum einen, weil ich gerade keine Lust dazu habe und zum anderen, weil es in letzter Zeit nicht wirklich notwendig war.

 

Gerade bei den letzten 3 Shootings habe ich das deutlich gemerkt. Ich hatte mal wieder das Vergnügen mit 3 wunderschönen jungen Frauen zusammen zu arbeiten. Nach dem Shootings war mir nicht wirklich nach aufwendiger Retusche, weil ich mich bei der Betrachtung der Bilder ehrlich fragte: „Was willst/sollst du hier noch großartig dran machen?“. Also retuschierte ich kaum!

fuji xpro2 - fuji 60mm makro fuji - minolta 35mm f2.8 fuji xpro2 - 60mm makro

 

 

Denn etwas ist mir klar geworden, und deshalb sprach meine innere Stimme zu mir (diese hat übrigens einen spanischen Akzent, keine Ahnung wieso, aber ich höre ihr sehr gerne zu):

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„Tony, du hast diese 3 wunderschönen Frau in ihrer Natürlichkeit lachen gesehen. Mit keinem Computerprogramm der Welt könnte ich etwas schöneres zeigen als das, was die Modells mir in diesem Moment gezeigt hatten.“

 

Für mich ist die Fotografie ähnlich der Zauberei. Der Fotograf zeigt seine Art von Illusion, seine Art der Wirklichkeit. Wenn ein Zauberer gut ist, dann sieht das was er macht echt aus. Und eben das versuche ich auch. Nicht das ich hier in irgendeiner Weise Photoshop schlecht machen würde, aber mein höchster Anspruch ist es, dass ein Foto echt ist. Es spielt für mich dabei keine Rolle ob man seine Bilder bearbeitet oder nicht, denn auch ein aufwendiges Composing kann echt sein. Eine echte Illusion eben! Ich versuche momentan aber meine Bilder wenig zu bearbeiten und die von mir gewollte „Echtheit“ durch den Ausdruck und die Situation enstehen zu lassen. Dafür muss nicht jede Falte raus, die Haut muss dafür nicht unglaublich glatt wirken und es muss auch nicht alles gestochen scharf sein, wenn es dafür „Echt“ ist. Mir ist für meinen persönlichen Geschmack aufgefallen, dass ich Farben und Kontraste im Bild viel aussagekräftiger empfinde als „perfekte Haut“. Die Augen haben so oder so eine eigene Sprache und verraten mehr, als jeder Künstler durch Photoshop zeigen könnte.

Man sollte sich ganz klar fragen, was man mit einem Bild ausdrücken möchte und wie man das erreichen kann. Und man sollte sich auch fragen ob man sich an manchen Stellen nicht hinter der Technik versteckt. Schärfe ist nicht alles für mich. Megapixel sind nicht alles für mich. Perfekte gemachte Haut ist nicht alles für mich. Für mich! Jeder muss sich seine eigenen Fragen stellen…

 

Seit dem ich die Bilder von Peter Lindberg kenne und auch ein wenig über die Art weiß wie er diese macht, bin ich von ihm völlig fasziniert. Er hat viele der internationalen Modelle ungeschmickt fotografiert, er bearbeitet seine Bilder auch nicht. Aber seine Bilder sind alle Echt! Alle! Er ist für mich ein Meister der Fotografie. Vielleicht sogar der Meister der Fotografie. Er schafft den Zauber. Er verzaubert mich und inspiriert mich. Er akzeptiert den Makel und sieht wahre Schönheit und Größe und mit Hilfe seiner Kamera fängt er diese auch ein. Er ist mein absolutes Vorbild in der Fotografie. Vielleicht komm ich irgendwann ganz ohne Photoshop zurecht, vielleicht rücke ich auch wieder näher an PS heran. Hauptsache ist, dass ich „Echte“ Momente zeigen kann.

 

 

 

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