Warum einfach für mich nicht gleich leicht bedeutet…

Das „einfache“ Portrait…

Ich liebe das „einfache“ Portrait zur Zeit! Obwohl „einfach“ hier nicht das richtige Wort ist, aber ein geeigneteres Wort mag mir im Moment dazu auch einfach nicht einfallen. Und einfach bedeutet hierbei weder beliebig oder einfallslos oder gar mittelmäßig. Die Einfachheit bezieht sich auf die Elemente die eingesetzt werden zum fotografieren. Licht und Mensch. Mehr nicht.

Manch einer könnte nun meinen, dass es genau mit diesen wenigen Elementen einfälltig wäre eine große Herrausforderung darin zu sehen. Das Problem in der Fotografie  ist aber dass ich einen einzelnen Moment festhalten möchte. Wenn ich hierbei auf grundlegende Mittel zurückgreife, was bleibt dann bitte noch übrig für den Betrachter? Es bleibt, zumindest in meiner Betrachtungsweise, ein Moment der nur vom Modell lebt. Das Modell muss völlig allein dem Bild Leben einhauchen. Und dem Modell stehen hierbei keine 4 Lichquellen zur Verfügung, keine Rauchbomben, kein 3 Stunden MakeUp, und auch kein Lostplace. Das Modell muss DEN Augenblick produzieren und der Fotograf muss sein Licht nutzen und im richtigen Moment das Bild machen. Das mag immer noch recht simple klingen, ist es aber meiner Meinung nach in keinster. Beim täglichen Blick in die sozialen Netzwerke entdecke ich Unmengen an Bildern und verdammt viele der Fotografen versuchen möglichst viele Elemente mit einzubringen, ohne aber das Elementare zu beachten. Ich bearbeite meine Bilder auch. Erst in Lightroom und anschließend in Photoshop. Dabei versuche ich so dezent wie möglich vorzugehen, denn die Essenz der „einfachen“ Fotografie soll für mich erhalten bleiben. Die Perfektion liegt hierbei nicht im technisch perfekten Bild, sondern vielmehr im perfekten Moment. Ein Moment, der mich als Betrachter mit in eine Situation nimmt die ein Gefühl entstehen lässt.

Die Reduktion auf Schwarz/Weiß (natürlich auch mit den ein oder anderen Grautönen 😀 ) kann dies positiv unterstützen. Ich habe das Gefühl, dass viele keine Ahnung über die Farblehre haben und demzufolge auch wenig über die Wirkung von Farben wissen. Aber Farben produzieren Gefühle, ob wir das bewusst wollen oder nicht spielt dabei überhaupt keine Rolle. Bilder in Schwarz/Weiß lassen eben diese Interpretation von Stimmung die durch Farbe entsteht außen vor. Aber auch Schwarz/Weiß ist nicht gleich Schwarz/Weiß. Es lohnt sich da ein Blick auf die Farbregler in Lightroom zu werfen. Dazu folgt in Zukunft mal ein Eintrag in den Blog 😀

 

fuji xpro2 - 60mm Makro
fuji xpro2 – 60mm Makro

 

Eines meiner absoluten Lieblingsbilder ist eines dieser „einfachen Portraits. Das Bild ist nach dem eigentlichen Shooting entstanden. Ich und Anna-Dora hatten ein wenig mit Mischlicht experimentiert und dabei sind auch wirklich wunderbare Bilder entstanden. Ich war mit den Ergebnissen zufrieden und hatte mich schon gefreut diese auf dem PC  zu betrachten. Aber dann begann Anna-Dora sich die Haare zum Dutt zu knoten. Die Hälfte des Equipment war zwar schon verstaut, aber das musste ich einfach nochmal festhalten. Sie war das Sinnbild einfacher Schönheit, junger perfekter Schönheit. Sie hat es geschafft mich zu fesseln und ich wusste das hier was tolles passiert!

Die Mittel waren hierbei auch recht einfach, eine Kamera (XPro2), eine mittlere Brennweite von 60mm (90mm im Equivalent zum Kleinbild) und eine Softboft (70er Octabox) und ein Aufsteckblitz (Yongnou 568EXII).

 

 

 

xpro2 - 35mmf1.4_iso800_1/250sek_f1.6
xpro2 – 35mmf1.4

Mit Julia als Modell wollte ich harten, direktes Licht verwenden. Und hierbei sind, wie könnte es auch anders sein, richtig coole Bilder entstanden. Wir waren mit dem Shooting dann eigentlich durch, aber ich wollte noch ein wenig mehr von Julia. Ich baute den Blitz ab und stellte das Hintergrundsystem vor das Fenster. Insgesamt existieren 3 Fenster in meinem Zimmer, 2 davon konnten wir nutzen. Man sieht auf dem Bild eigentlich recht deutlich, das es ein zentrales Licht gibt und ein kleines Streiflich auf der linken Seite. Das alles ist mit natürlichem Licht entstanden. Das Bild ist durch den Moment mit Julia schon verdammt gut, durch die Konzentration auf einfache Bildelemente wird dieses aber nochmals verstärk.

 

 

 

fuji xpro2 - 56mm f1.2 apd
fuji xpro2 – 56mm f1.2 apd

 

 

Bevor es heißt ich mach nur Schwarz/Weiß Bilder, hier mal ein Bild der wunderbaren Virginie. Aufgenommen wurde diese Bild im Reiterhof in Dresden. Dieser Ort ist perfekt gemacht zum fotografieren, die Wände sind weiß verputzt und der Boden ist relativ hell. Was heißt das für die Fotografie? Ich erhalte wunderbar ausgeleuchtete Portraits ohne Hilfsmittel. Ich hatte hier „nur“ meine XPro2 und mein 56mm Objektiv verwendet und habe wundervolle Ergebnisse erzielt. Es ist keine wirkliche Zauberei so ein Bild zu erstellen, dazu hätte auch eine einfachere Kamera gereicht…

 

 

 

 

Was ist aber nun einfach? Für mich steckt in dieser Form der Einfachheit eine unglaubliche Komplexität. Denn ich kann auch mit viel Technik versagen. Denn es gibt etwas, was man sich nicht kaufen kann: Erfahrung! Erfahrung macht für mich viel von einem Bild aus. Allerdings bin ich dahingehend der Meinung, dass man zuerst die Basics beherrschen sollte bevor man sich an das große Ganze wagt. Wer es also nicht schafft schöne Portraits zu erzeugen, der sollte sich nicht unbedingt in ein aufwendiges Komposing wagen. Die Augen verraten viel über das Modell, und da wir nicht alle mit hochbezahlten Topmodellen arbeiten, sieht man relativ schnell wann sich ein Modell wohl fühlt und wann eben nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn…ich empfehle jeden zuerst Portraits zu beherrschen, man sollte die „einfachen“ Sachen gut machen, statt die „aufwendigen“ schlecht. Erfahrungen über das Licht, das elementarste der Fotografie, muss man sich erarbeiten. Dazu gehört viel üben, viel wiederholen und viel probieren. Nehmt euch den Druck super sein müssen und verzichtet drauf was zu präsentieren was euch selbst nicht überzeugt. Gerade bei freien Arbeiten sage oich zu meinen Modellen: „Ich weiß weder ob wir gute Fotos machen, noch wie viele es dann letztlich wären. Selbst wenn wir keine Bilder am Ende des Tages in den Häänden halten, haben wir maximal unsere Zeit investiert. Lass uns eben diese Zeit genießen“.

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