Wann kommt eure Lektion in Demut

Ich empfinde es mittlerweile als großes Vergnügen bei Hochzeiten mit meiner kleinen Fuji Xpro1/XPro2 und meinen Festbrennweiten einfach nur in der Ecke zu warte,n bis irgendein Opa/Onkel oder Bekannter des Brautpaares mit seiner großen 5DmIII, D810, D700 oder was auch immer vorbeikommt und mit mir ein Fachgespräch über die Fotografie führen möchte. Natürlich schaut er mir dabei größtenteils in die Augen, aber ab und an entschwindet ihm ein abschätziger, fast schon abwertender Blick auf meine Kamera. Man kann förmlich die Erregung des Gesprächspartners spüren der fast schon voller Stolz seine Kamera fest umklammert und damit ab und an vor meiner Nase auftaucht um mir zu zeigen was er und seine Kamera alles im Stande sind zu leisten!

Ich empfinde die Demut als sehr wichtiges Element in meinem Leben. Die Demut lässt mich immer wieder auf den Grund meines Lebens gehen um so lerne ich immer wieder auch die kleinen Dinge zu schätzen. Demut ist in Zeiten unseres imensen Reichtume eine sehr wichtige Eigenschaft der man sich ab und an bewusst werden sollte.

Leider habe ich das Gefühl das die Demut an den meisten Fotografen vorbei geht, wie ich an den Ständen der Zeugen Jehovas. Die Technik ist in den letzten 20 Jahren derart rasant fortgeschritten, dass ich außerdem das Gefühl habe, der Mensch ist zu langsam um die Neuerungen auch wahrzunehmen. Natürlich findet sich diese Entwicklung auch in der Fotografie wieder.

Heute kann sich theoretisch jeder alles leisten. Und wer von der Fotografie nicht leben muss, der hat in der Regel auch mehr Geld für die Fotografie übrig. Aber es fühlt sich kurios an, dass heutzutage jeder Amateur/ bzw. ambitionierte Hobbyknipser eine professionelle Ausrüstung haben will oder bereits hat. Es scheint sich bei vielen Leute die Realität zu verabschieden, wenn diese für ihre Knipserei unbedingt eine 6500€ teure Ausrüstung benötigen. Mich gehen ja die Finanzen der anderen in keinster Weise etwas an. Aber ein wenig Demut fände ich dahingehend echt nicht verkehrt. Denn ein paar Fragen sollte man sich durchaus mal stellen: Benötige ich denn tatsächlich eine professionelle Ausrüstung, habe ich mir diese durch mein Können verdient (moralische Frage), kann ich meine Qualitäten im Zusammenhang mit meiner Technik vertreten oder mach ich mit meiner neuen Kamera genau den gleichen Mist wie vorher?

Denn gerade erst bringt Canon seine neue Kamera auf den Markt, die langerwartete 5D Mark IV. 4065€ sind das Anfangsgebot. Natürlich ist alles besser als beim Vorgänger, natürlich packt sie auch mehr Megapixel drauf, hat ein besseres Rauschverhalten, und ist mit 7Bilder/sek auch ausreichend schnell. Das ganz große Staunen hat sie mit den Neuerungen zwar nicht errungen, aber mit dem Gimmik Dual-Pixel CMOS AF erstaunt sie dann doch ein wenig. Denn das verspricht in der Postproduktion das Verschieben des Fokuspunktes im Bild. In wie weit das in der Praxis praktikabel ist, wissen noch nicht viele. Gespannt darf man trotzdem sein.

Ich will Canon jetzt nicht an die große Glocke hängen. Nikon und Sony geben sich ebenfalls viel Mühe und haben tolle Modelle im Angebot. Pentax, Samsung und Olymus darf man sicherlich auch nicht außen vor lassen. Und meine Wahlheimat befindet sich ja im Land der Fujinauten und auch diese Kameras können sich sehen lassen. Aber jetzt kommen wir mal zu der alles entscheidenden Aussage. Quasi die Quintessenz der Fotografie. Es kommt! Und ich stehe mit beiden Beinen voll dahinter!

Wer es nicht schafft mit einer Canon 350D und einem 35mm objektiv halbwegs ordentliche Bilder zu erstellen,

der wird auch mit einer Canon 5D MarkIV, einen EF 24-70mm f2.8 USM und einem EF 70-200mm f2.8 IS USM II

einfach mal scheiße bleiben!

Wie nervt es mich Menschen vom Canon 85mm f1.2 schwärmen zu hören, die diese Linse weder jemals in der Hand hatten, noch jemals mit einer Blende 1.2 fotografiert haben. Ich will damit in keinster Weise die Qualität des Produktes schmälern, vielmehr stelle ich mir die Frage ob diesen „Fotografen“ überhaupt klar ist was sie sich da überhaupt kaufen wollen.

Meine Wutrede ist nun fast beendet und ich habe die ganze negative Energie in meinem Laptop geleitet um euch meine Sicht der Dinge zu zeigen.

Ich will einwas aber noch festhalten. Die Fotografie ist ein immerzu fortwährender Prozess in dem man nie auslernt und eigentlich auch nicht fertig werden kann zu lernen insofern man die Leidenschaft dafür auch mitbringt. Mir geht es dabei ähnlich. Ich weiß was ich kann und ich weiß was ich noch nicht kann. Ich weiß auch was man als guter Fotograf mitbringen muss und was nur optional ist. Und wenn die meisten jetzt zuerst an eine hammermäßige Kamera denken muss ich diese leider enttäuschen. Lerne etwas über die Technik (ISO, Blende, Verschluss), lerne was Blenden und Drittelblendenstufen sind und verstehe die Zusammenhänge, lerne etwas über die Farben und deren Wirkung auf den Betrachter (Goethe-Farbkreis), lerne etwas über das natürliche Licht und die Natur, lerne aber auch was über Schatten, Lerne etwas übers Blitzen, lerne etwas über die Menschen die du fotografieren willst, lerne dich selbst kennen und frage dich warum du dir den ganzen Mist überhaupt antust, und lerne vorallem niemals aufzuhören zu lernen. Lerne all diese Sachen und du hast die Möglichkeit mal ein guter Fotograf zu werden! Eine super Ausrüstung allein wird dir leider nicht helfen können. Und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen…

 

Eure Meinungen dazu sind stets willkommen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.