Samyang 12mm F2 für das Fuji X-System

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Tests zu allen möglichen Objektiven gibt es ja mittlerweile mehr als genug im Netz. Daher ist das primär kein Test sondern eher ein Erfahrungsbericht. Ich möchte euch zeigen und erklären was ich die Linse kann und wie ich sie entsprechend einsetze. Denn diesem Objektiv wird bereits in verschiedensten Labortests nachgewiesen dass es eine sehr gute Qualität aufweist.(https://www.ephotozine.com/article/samyang-12mm-f-2-0-ncs-cs-mft-lens-review-26616). Aber da Schärfe, Vignettierung und CA‘s in einer Tabelle nicht allein darüber entscheiden ob ein Objektiv in der Praxis wirklich was taugt will ich meine Erfahrungen mal zu Ausdruck bringen. Früher habe ich sehr viele Testberichte verschlungen und habe  mich an Zahlen, Kurven oder Säulen aufgehalten. Aber da bin ich einem großen Trugschluss zum Opfer gefallen. Nicht jedes Objektiv passt zu jedem Fotografen, bzw. zu jeder Art von Fotografie. Früher wollte ich immer das nahezu perfekte Canon 70-200 USM IS II besitzen. Nicht weil ich wusste dass ich es brauchen würde, vielmehr weil ich wusste das es gut ist. Aber man sollte sich da nicht allein von der Technik blenden lassen. Gute Technick kann auch in guten Händen Falsch eingesetzt werden. Und so wie jeder Maler seine eigenen Pinsel hat, so hat jeder Fotograf seine eigenen Linsen die zu ihm passen.

Ich besitze seit fast einem Jahr eine immerzu wachsende Ausrüstung von Fujifilm. Und da Fujifilm bei seinen Kameras auf einen APS-C Sensor setzt muss die angegebene Brennweite nochmals umgerechnet werden wenn man das Brennweitenequvivalent zum Kleinbild (Vollformat) erhalten möchte. Das bedeutet, dass 12mm an einer Fujikamera, 18mm an einer Kleinbildkamera entsprechen würden (Faktor mal 1,5). Wer auf MFT setzt, wie zum Beispiel Olympus, der erhält die Bildwirkung eines 24mm Objektivs.

 

Noch kurz was persönliches…

Wenn man etwas testet sollte man sich vorher auch mit dem Gerät ein wenig beschäftigt haben. Ich habe mal in der Zeitung „Chip“ (ich bin mir jetzt nicht sicher ob es wirklich diese Zeitung war, spielt aber auch keine große Rolle) gelesen, dass sie es bemängeln, dass die neue Leica (M9 oder MP9 oder M…) keinen Autofokus besitzt. Wer das an einer Leica bemängelt, der hat die Kamera nicht verstanden und ist demzufolge auch nicht der Richtige um diese zu testen.

Wir reden heute aber von Samyang, einem Chinesichen Hersteller, der sich in den letzten Jahren einen sehr guten Stand auf dem Markt gesichert hat. Vorallem die Weitwinkelobjektive haben damals einen großen Zuspruch erhalten, weil Sie billig waren im Vergleich zu den Originalherstellern und weil ein Weitwinkelobjektiv leichter manuell zu fokusieren ist als eine Normal- oder Telebrennweite. Da wären wir auch schon bei einer wichtigen Spezifikation: manuelles Arbeiten. Die Samyangobjektive verzichten alle (bis auf ein neues 50mm Objektiv welches für Sony FE angekündigt wurde) auf einen Autofokus und auch auf einen Chip für die Exif-Daten. Außerdem muss ich die Blende ebenfalls manuell am Objektiv einstellen.

Gleich zu Beginn mal die Alternativen:

Ich fang gleich mal mit den Alternativen zu diesem Objektiv an, denn dadurch kann ich gleich mal festhalten warum dieses Objektiv in gewisser Weise ein Alleinstellungsmerkmal für Fuji Kameras auf dem Markt besitzt.

Da wäre zum einen das Zeiss Touit 12mm f2.8, welches ca. 950€ in der Neuanschaffung kostet. Dieses Objektiv besitzt im Gegensatz zu dem Samyang zwar einen Autofokus, ist aber auch mehr als 550€ teurer und zudem auch eine ganze Blende schlechter. Die Optische Qualität des Zeiss-Produktes steht außer Frage, aber der Mehrpreis bringt einen dann doch schon zum Nachdenken.

Zum anderen hätten wir da noch 2 Produkte aus dem Hause Fujifilm selbst. Da wäre das Fuji 14mm f2.8 und das Fuji 10-24mm f4. Beide sind optisch wie technisch sehr gute Linsen. Dem 14mm Objektiv fehlt aber nicht nur ein ganze Blende im Gegensatz zum Samyang Pendant, dem Fuji fehlen auch ganze 2mm, welche das in der Praxis sogar 3mm werden wenn man den Vergleich zum Kleinbild nehmen möchte. Außerdem kostet es mit ca. 900€ wiederum mehr als doppelt so viel wie sein Gegenspieler (besitzt allerdings auch einen Autofokus).

Das Fuji 10-24mm f4 ist auch eine sehr interessante Linse. Denn diese hat sogar 2mm mehr im Petto und geht durch den Zoom vom Ultraweitwinkel bis in die „Reportagebrennweite“ rein. 1000€ sind allerdings auch da kein Schnäppchen. Zumal das Objektiv 2 ganze Blenden schwächer ist als das Samyangobjektiv. Das 10-24mm ist ein wunderbares Objektiv, ist mir aber aufgrund der Lichtstärke nicht flexibel genug. Denn etwas sollte man sich mal vor Augen führen: wenn ich mit Blende 2 und einer ISO 1600 fotografiere, dann müsste ich beim 10-24 bei maximal göffneter  Blende schon bei ISO 6400 starten um die gleiche Lichtmenge einfangen zu können. Bei diesen hohen ISO-Bereichen wird es dann schon langsam knapp…selbst für eine Fuji-Kamera 😀

 

 

Jetzt endlich mal ein bisschen mehr Kontext zum eigentlichen Objektiv

12mm (18mm im Kleinbild-äquivalent) erscheinen eigentlich wie das typische Weitwinkel-Landschaftsobjektiv. Das muss aber nicht wirklich sein. Ich benutze meine Objektive sehr gern breitgefächert, weil jedes einzelne eine eigene Charakteristik hat in der Darstellung. Das hängt zum einen mit physikalischen Parametern zusammen, aber auch mit der Ausstattung und derArt der Linse.

Der Vorteil an 12mm ist, dass du einfach alles auf den Sensor bannen kannst. Der Winkel ist so breit, dass du einen unglaublichen weiten Blick durch den Sucher wahrnehmen kannst. Dir entgeht einfach nix mehr und daher ist es mittlerweile für mich ein Immerdrauf geworden. Denn damit zu fotografieren ist eigentlich ziemlich simple. Durch den Sucher zu fokussieren ist dahingehend natürlich am einfachsten. Dank Fokuspeaking ist der Schärfepunkt schnell ausgemacht. Durch die physikalisch bedingte geringe Tiefenschärfe bei 12mm und einem gewissen Abstand zum Objekt, kann man auch sehr leicht die Entfernungsskala nutzen um zu fokussieren. Da ab ca. 2,5 Metern eh alles auf unendlich fokussiert werden muss, ist es selbst bei Blende 2 ein leichtes. Wenn man keine Lust zum Nachdenken und zum Justieren hat, dann stellt man die Kamera einfach auf Blende 8 – 11, stellt den Fokus auf ca. 2 Meter und kann loslegen mit dem Knipsen. Das funktioniert nicht immer, gerade bei sehr nahen Objekten, aber in der Stadt klappt das in der Regel ganz gut.

Die Linse ist scharf, sehr scharf sogar. Bereits bei Offenblende hat man eine sehr gute feine Zeichnung. Ich habe das Gefühl das sich durch Abblenden lediglich mehr Tiefenschärfe erhalten lässt. Dieser Punkt ist für mich sehr wichtig, weil ich sehr viel offenblendig arbeite. Die Schärfewirkung wird auch unterstützt durch einem unglaublich hohen Kontrast selbst bei Offenblende. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich denke das diese Linse, unter all meinen anderen Objektiven den größten Kotrast bei Offenblende besitzt. Habs nicht gemessen, aber ich hau das hier mal so raus und lass das damit auch so stehen.

Durch das offenblendige fotografieren habe ich außerdem auch gemerkt, wie schön das Bokeh von diesem Objektiv ist. Klingt merkwürdig bei einem 12mm Objektiv, aber man kann sehr gut Objekte freistellen wenn diese nah genug sind. Da ich das in diesem Ausmaß vorher nicht wusste und auch nicht ahnte, war ich darüber sehr positiv überrascht.

Mit einer Naheinstellgrenze von 20cm komm ich außerdem auch unglaublich nah an das Objekt der Begierde heran.

Das Objektiv ist außerdem recht klein für diese Klasse, außerdem ist es mit 200g sehr leicht. Gebaut ist es trotzdem sehr stabil und wertig. Der Blendenring rastet sauber ein und lässt sich nicht einfach so verstellen (im Gegensatz zu meinem Fuji 23mm/56mm Objektiv, welches einen sehr leichtgängigen Blendenring haben). Auch der Fokusring läuft sehr weich, aber auch sehr satt. Rein haptisch macht diese Linse einen hervorragenden Auftritt. Allein der Frontdeckel löst sich ab und an leicht vom Objektiv ab. Aber da war ich in Vergangenheit eh nur mit den Sigma-Objektiven voll zufrieden.

Natürlich verzeichnet dieses Objektiv. Das liegt natürlich auch an den physikalischen Bedingungen die eine solche Brennweite mit sich bringt. Kritisch empfinde ich das allerdings nicht wirklich, weil sich dies recht einfach mit Lightroom korrigieren lässt. Lightroom bietet dafür (Insofern man in Raw fotografiert) ein eigenes Profil für das Samyang 12mm f2. Dies ist aber milde ausgedrückt für mich nicht zu gebrauchen. Die Verzeichnung fällt mir besonders in Situationen auf, in denen Menschen sich in den äußeren Bildbereichen befinden. Diese werden dann nach Außen gezogen und sehen somit unnatürlich gestreckt aus. Da benutze ich dann einfach die manuelle Verzeichnungskorrektur und hole mir die Personen „zurück“.

CA’s konnte ich kaum ausmachen. Das wundert mich zum einem bei dem niedriegen Preis, zum anderen bei der Art des Objektivs. Dennoch ist selbst bei Offenblende und Gegenlichsituationen bei mir kaum etwas wahrzunehmen.

Was deutlich ausgeprägt ist, ist eine Vignette. Das ist allerdings etwas was mich persönlich nicht stört, ich eher bevorzuge. Gerade bei Landschaftsbildern wird dadurch der Himmel natürlich abgedunkelt, bzw. der Betrachter wird mehr ins Bildzentrum gezogen. Wer das nicht möchte kann auch dies in Lightroom sehr leicht beheben.

 

 

Mal ein Fazit kurz vor Schluss:

Wir haben mit dem Samyang 12mm f2 ein leichtes, recht kompaktes Ultraweitwinkel welches sich durch eine hervorragende Lichtstärke, sowie exzellente Schärfe auch bei Offenblende auszeichnet. Mögliche Objektivfehler wie Chromatische Aberrationen, Vignettierung, Verzeichnung sind gut korrigiert, bzw. lassen sich leicht korrigieren. Der Kontrast ist super und die Feinzeichnung sehr gut. Mit einer geringen Naheinstellgrenze von 20cm kommt man sehr nah an das Motiv heran und erhält damit einen ganz besonderen Look. Die Haptik ist ein wahrer Genuß für Liebhaber. Das Ganze gibt es für ca 400€ beim Fachhändler (zum Beispiel: calumetphoto.de) zu erwerben.

Klingt doch nach der perfekten Linse? Naja, für mich ist dieses Glas nahzu perfekt für meine Aufgaben geeignet. Ob das widerum auf alle zutrifft kann ich nicht sagen. Man muss den manuellen Fokus schon ein wenig mögen, außerdem ist diese Brennweite doch schon etwas besonderes.

Um euch zeigen zu können was diese Linse so ausmacht habe ich hier mal ein paar Bilder aus dem Garten meiner Oma für euch. Da ich mich dort um die Blumen kümmern musste und ich die Kamera eh immer dabei hatte wollte ich euch das mal zeigen. Die Bilder sind nicht nur fast alle bei Blende 2 entstanden, sie sind außerdem in einem Abstand von 20 – 25cm zum Objekt aufgenommen worden. Wenn man mit dem Auge durch den Sucher schaut hat man diesen unglaublich weiten Blick. Nimmt man das Auge vom Sucher weg, merkt man erstmal das man schon fast auf der Blume sitzt.

 

Also ich liebe diese Linse und kann sie nur empfehlen. Gerade wenn man etwas ganz besonderes haben möchte.

 

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